Marktberichte

MAPIC 2026 in Cannes: Was Eigentümer und Retailer erwartet

Am 3. und 4. November 2026 trifft sich die internationale Handelsimmobilienbranche zur MAPIC 2026 im Palais des Festivals in Cannes. Für die 31. Ausgabe erwartet der Veranstalter rund 4.000 Teilnehmer aus 75 Ländern, darunter 1.800 Vertreter von Handels-, Gastronomie- und Freizeitmarken, sowie rund 200 ausstellende Unternehmen. Seit der Neuaufstellung 2025 dauert die Messe zwei statt drei Tage und versteht sich ausdrücklich als Vermietungsmarkt: Im Mittelpunkt stehen Leasing-Teams, Asset Manager und Expansionsverantwortliche, nicht mehr die Schau neuer Shopping-Center. Für deutsche Eigentümer und Retailer ist das relevanter, als es auf den ersten Blick wirkt. Drei Schwerpunkte des Programms – Cross-Border-Marken aus Asien und Amerika, eine neue High-Street-Zone und ein Summit für Retail Parks – treffen genau die Fragen, die den deutschen Markt im Herbst 2026 beschäftigen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Termin und Ort: Die MAPIC 2026 findet am 3. und 4. November 2026 im Palais des Festivals in Cannes statt – zwei Messetage, 31. Ausgabe.
  • Erwartete Größe: Nach Angaben des Veranstalters rund 4.000 Teilnehmer aus 75 Ländern, 1.800 Markenvertreter und rund 200 ausstellende Unternehmen (Stand: Oktober 2026).
  • Drei Schwerpunkte: Cross-Border-Marken aus Asien, Nord- und Südamerika, eine neue High-Street-Zone mit Pitching-Sessions europäischer Städte und ein geschlossener Summit für Retail Parks.
  • Bezug zum deutschen Markt: Internationale Marken stellten im ersten Quartal 2026 mit 56 Prozent einen Rekordanteil der Flächengesuche in deutschen 1A-Lagen.
  • UNIQUE RETAIL ist an beiden Messetagen in Cannes vor Ort.

Die MAPIC 2026 ist ein Vermietungsmarkt, keine Projektschau mehr

Wer die MAPIC aus den Jahren vor 2020 kennt, trifft in Cannes auf eine andere Veranstaltung. Damals kamen nach Angaben des Veranstalters rund 8.000 Teilnehmer, darunter etwa 2.000 Retailer, und die Stände der Projektentwickler zeigten vor allem neue Shopping-Center. 2024 und 2025 lag die Teilnehmerzahl bei jeweils rund 4.000; die offizielle Schlussbilanz der 30. Ausgabe nennt 1.700 Markenvertreter und 150 Aussteller an zwei Tagen. Die Messe ist damit halb so groß wie vor der Pandemie – und sie hat die weggefallene Hälfte bewusst nicht ersetzt.

Mit der Jubiläumsausgabe 2025 hat der Veranstalter das Format umgebaut: zwei statt drei Messetage, ein früherer Termin Anfang November, eine Networking-Ebene mit buchbaren Tischen und Meerblick statt immer größerer Stände. Der Untertitel lautet seither „The International Retail Leasing Hub“, als Zielpublikum werden ausdrücklich Leasing-Teams, Asset Manager und Heads of Development genannt. Die Begründung ist bemerkenswert offen: In Europa werden kaum noch neue Handelsprojekte gestartet, die Branche arbeitet am Bestand – und braucht dafür weniger Schaufläche und mehr Gesprächsfläche. Dazu passt, dass die Zahl der Markenvertreter 2024 nach Veranstalterangaben 32 Prozent über dem Wert von 2019 lag, obwohl die Gesamtteilnehmerzahl gesunken ist.

Für die Vorbereitung heißt das: Die MAPIC 2026 belohnt, wer mit konkreten Flächen anreist. In der Veranstalterstudie vom Oktober 2025, für die mehr als 1.000 registrierte Retailer befragt wurden, gaben 60 Prozent an, in den nächsten zwei Jahren mehr als zehn neue Stores eröffnen zu wollen; über ein Fünftel plant mehr als 50. Diese Expansionsverantwortlichen suchen in Cannes keine Marktübersicht, sondern Standorte, die sie 2027 eröffnen können. Was wir vor der Expo Real 2026 beschrieben haben, gilt in Cannes verschärft: Allgemeine Fragen bekommen allgemeine Antworten. Wer dagegen eine Fläche mitbringt, deren Nachvermietung in den kommenden 24 Monaten ansteht, trifft in zwei Tagen mehr qualifizierte Gegenüber als in einem Quartal im Büro.

Cross-Border-Marken aus Asien und Amerika suchen europäische Flächen

Zum zweiten Mal in Folge stellt die MAPIC Marken aus Asien sowie Nord- und Südamerika in den Mittelpunkt, die nach Europa expandieren wollen. Für sie gibt es geschlossene Networking-Runden, Pitching-Sessions nach Regionen und Konferenzformate zu Lateinamerika, Indien, dem Nahen Osten und Südafrika. Für 2026 nennt der Veranstalter unter anderem Pop Mart, Wendy’s, Popeyes, Dave’s Hot Chicken und die Seoul Dining Group als bestätigte Teilnehmer; 2025 waren unter anderem Xiaomi, Paris Baguette, Alo Yoga und Costco erstmals dabei. Wie stark diese Bewegung bereits ist, zeigt der französische Markt: 2024 kamen 22 Prozent der 91 neu eingetretenen Marken aus Asien (Quelle: Veranstalter, September 2025).

Die Studie des Veranstalters weist für Westeuropa keine Länderwerte aus, zeigt aber die Richtung: Die Hälfte aller Expansionspläne der befragten Retailer zielt auf Westeuropa, 21 Prozent auf Mittel- und Osteuropa, 15 Prozent auf den Nahen Osten und 11 Prozent auf Asien. Dass Deutschland innerhalb Westeuropas ein Schwerpunkt ist, belegen die eigenen Marktdaten: Im ersten Quartal 2026 kamen 56 Prozent aller Flächengesuche in deutschen 1A-Lagen von internationalen Marken, der höchste bisher gemessene Anteil. 49 Prozent der Anmietungen entfielen auf die zehn größten Städte. Die Nachfrage ist also da – sie konzentriert sich nur stärker als früher auf wenige Lagen.

Die Anforderungen dieser Konzepte sind konkret und oft kleiner als erwartet. Beauty- und Lifestyle-Marken suchen Formate zwischen 80 und 250 Quadratmetern mit breiter Front in frequenzstarken Lagen. Collectibles-Anbieter wie Pop Mart und Miniso belegen kompakte Flächen in Metropolen, wie wir im Beitrag zur Store-Offensive chinesischer Marken beschrieben haben. Gastronomiekonzepte aus den USA brauchen in unserer Erfahrung Außenflächen, Lüftung und Anlieferung, die in historischen Geschäftshäusern nicht selbstverständlich sind. Lagen wie die Kaufingerstraße in München, der Neue Wall in Hamburg oder der Kurfürstendamm in Berlin stehen bei diesen Marken auf der Liste – aber nur mit Flächen, die zum Format passen. Right-Sizing, also die Teilung großer Einheiten in marktfähige Zuschnitte, sollten Eigentümer deshalb vor Cannes klären, nicht danach.

High Street statt Center: Cannes rückt die Einkaufsstraße in den Mittelpunkt

Die zweite Neuerung ist eine High-Street-Zone im Zentrum der Ausstellungsfläche. Unter dem Titel „Retail in the City“ bringt der Veranstalter gemeinsam mit einem internationalen Beratungshaus Stadtvertreter, auf Einkaufsstraßen spezialisierte Makler, lokale Eigentümer und Marken zusammen. Dazu gehören eine eigene Bühne mit zwölf Pitching-Sessions – vier für aufstrebende Marken, vier für Metropolen, vier für Städte der zweiten Reihe –, Networking-Tische für vertrauliche Gespräche und ein Guide zu europäischen Einkaufsstraßen, den alle teilnehmenden Retailer erhalten. Genannt sind bislang London, Paris, Mailand, Madrid, Amsterdam und Prag.

Dass keine deutsche Stadt in dieser Liste steht, sagt wenig über die Nachfrage und viel über die Herkunft der Messe: Frankreich, Italien und Großbritannien stellen die drei größten Gruppen unter den befragten Retailern. Für deutsche Eigentümer ist das eher eine Lücke als ein Nachteil. Wer in Cannes eine Fläche in Hamburg, Frankfurt oder Düsseldorf mit Mieterbesatz, Frequenz und Mietniveau dokumentiert vorlegt, konkurriert mit weniger Angeboten als in den Pitching-Sessions der genannten Metropolen. Aufschlussreich ist auch, dass die befragten Retailer das Shopping-Center noch häufiger als bevorzugten Lagetyp nennen (37 Prozent) als die Einkaufsstraße (22 Prozent). Die High-Street-Zone dient damit auch dazu, internationale Marken an Lagen heranzuführen, die sie außerhalb ihrer Heimatmärkte weniger gut kennen.

Inhaltlich bestätigt die Schwerpunktsetzung, was die Zahlen seit Jahren zeigen: Die Einkaufsstraße hat sich als robuster erwiesen als das innerstädtische Center. In den 100 untersuchten deutschen Highstreets stieg die Zahl der Geschäfte in den eigentlichen Einkaufsstraßen zuletzt um 0,5 Prozent, während innerstädtische Shopping-Center 2,6 Prozent ihrer Stores verloren – seit 2020 rund 15 Prozent (Highstreet Report 2025). Gleichzeitig steht in den Hauptlagen dieser 100 Städte im Schnitt jedes elfte Ladenlokal leer: 9,1 Prozent, mit einer Spanne von null Prozent in Lippstadt bis 29 Prozent in Solingen (Highstreet Report 2026 von Columbia Threadneedle Investments, September 2026). Was den Unterschied macht, haben wir im Beitrag zum Leerstand in Innenstädten ausgewertet: Center-Konkurrenz, Flächengrößen, Mietniveau und die Qualität des Standortmanagements – lokale Faktoren, die ein Eigentümer beeinflussen kann.

Retail Parks und Gastronomie: wohin das Kapital fließt

Der dritte neue Baustein ist ein Retail Park Summit, ein Forum nur auf Einladung für Investoren, Entwickler und Marken aus dem Fachmarktsegment, angesetzt für den Nachmittag des ersten Messetags. Dass ausgerechnet das unspektakulärste Format eine eigene Bühne bekommt, ist konsequent. Im deutschen Investmentmarkt dominieren lebensmittelgeankerte Objekte seit Jahren: Im ersten Quartal 2026 entfielen je nach Erhebung 52 bis 58 Prozent des Transaktionsvolumens von 1,1 bis 1,37 Milliarden Euro auf dieses Segment. Die Spitzenrenditen lagen für Fachmarktzentren und Lebensmittelmärkte bei 4,6 bis 5,6 Prozent, für Highstreet-Objekte in Toplagen bei 3,5 bis 4,0 Prozent (Retail-Investmentmarkt Q1 2026). Im Gesamtjahr 2025 erreichte das Transaktionsvolumen für Handelsimmobilien in Deutschland 6,5 Milliarden Euro, 18 Prozent mehr als im Vorjahr.

Gastronomie und Freizeit sind die zweite Konstante der Messe. Ein Fünftel der befragten MAPIC-Retailer kommt aus dem Food-and-Beverage-Bereich, weitere 15 Prozent aus dem Freizeitsegment; mit „LeisurUp“ führt der Veranstalter einen eigenen Bereich dafür. In den deutschen Highstreets ist Gastronomie mit einem Anteil von 15,8 Prozent inzwischen die zweitgrößte Warengruppe und hat seit 2020 um 14,7 Prozent zugelegt, während der Bekleidungshandel im gleichen Zeitraum 21,6 Prozent seiner Stores verloren hat (Highstreet Report 2025). Für Eigentümer bedeutet das zweierlei: Die Nachfrage nach Gastronomieflächen ist real, aber sie stellt andere Anforderungen an Technik, Lüftung, Außenflächen und Vertragsstruktur als der Textilhandel, der die Flächen früher belegt hat. Wer diese Fragen vor Cannes geprüft hat, kann in den Gesprächen Zusagen machen. Wer sie offen lässt, vertagt den Abschluss.

Was deutsche Eigentümer und Retailer in Cannes konkret klären können

Zwei Tage Messe ersetzen keinen Vermarktungsprozess, aber sie verdichten ihn. Aus der Praxis haben sich für beide Seiten einige Gespräche als besonders ergiebig erwiesen.

Für Eigentümer: drei Gespräche, die sich lohnen

  • Effektivmiete statt Spitzenmiete. Die Spitzenmieten lagen im zweiten Quartal 2026 bei 340 Euro pro Quadratmeter in München, 280 Euro in Berlin und Frankfurt und 250 Euro in Hamburg. Mietfreie Zeiten, Baukostenzuschüsse und Staffeln drücken die tatsächliche Belastung in unserer Modellrechnung um 8 bis 10 Prozent darunter (Effektivmiete statt Spitzenmiete). Wer die eigene Zahl kennt, erkennt in Cannes schneller, ob ein Angebot marktgerecht ist.
  • Teilbarkeit prüfen. Für großflächige Einheiten gibt es kaum noch Nachfrager, die eins zu eins nachbelegen. Ein geprüftes Teilungskonzept erweitert den Interessentenkreis um genau die internationalen Konzepte, die in Cannes nach kompakten Flächen suchen.
  • Vorlauf nutzen. Erfolgreiche Nachvermietung beginnt 24 bis 36 Monate vor Vertragsende. Flächen, die 2027 oder 2028 frei werden, gehören deshalb jetzt in die Gespräche – nicht erst, wenn der Mieter gekündigt hat.

Für Retailer und Expansionsverantwortliche

Für Marken, die den deutschen Markt prüfen, ist die MAPIC der Ort, an dem sie Eigentümer und Berater aus mehreren Städten an einem Tag treffen. Entscheidend ist eine belastbare Expansionsstrategie: Zielstädte, Flächenprofil, Mietbudget und Zeitplan sollten vor der Anreise feststehen. Standortdaten wie Mieterbesatz, Frequenzentwicklung und angekündigte Zu- und Abgänge sollten Eigentümer liefern können – wo sie fehlen, lohnt sich die Nachfrage, denn sie entscheiden mehr über den Erfolg eines Standorts als die nominale Miete.

Vier Unterlagen, die bis zum 3. November fertig sein sollten

  • Flächenexposé mit Grundriss, Teilungsvarianten und technischen Eckdaten (Lüftung, Lasten, Außenfläche, Anlieferung).
  • Effektivmietrechnung mit definiertem Spielraum für Incentives statt einer nackten Nominalmiete.
  • Umfelddokumentation: aktueller Mieterbesatz der Straße, Frequenzentwicklung, bekannte Zu- und Abgänge.
  • Terminplan: vorab vereinbarte Gespräche über das Meeting-Tool des Veranstalters und freie Zeitfenster für spontane Kontakte in der Networking-Zone.

Fazit

Die MAPIC 2026 ist kleiner als die Messen der 2010er Jahre, aber dichter: zwei Tage, rund 4.000 Teilnehmer, mehr als ein Drittel davon Markenvertreter mit konkreten Expansionsplänen. Die drei Schwerpunkte – Cross-Border-Marken, High-Street-Zone, Retail Parks – passen zu einem deutschen Markt, in dem internationale Konzepte mehr als die Hälfte der Gesuche stellen, die Einkaufsstraße das innerstädtische Center überholt hat und das Kapital in lebensmittelgeankerte Objekte fließt. Wer mit entscheidungsreifen Unterlagen anreist, nutzt diese Dichte. Wer sich nur orientieren will, kann das auch günstiger.

UNIQUE RETAIL ist am 3. und 4. November auf der MAPIC 2026 in Cannes vor Ort. Für Flächen zur Vermietung, Objekte im Verkauf oder eine anstehende Expansion nach Deutschland stimmen wir Gesprächstermine in Cannes ab – eine kurze Nachricht mit Objekt oder Anliegen genügt. Zur Terminanfrage.

Häufige Fragen zur MAPIC 2026

Wann und wo findet die MAPIC 2026 statt?

Die MAPIC 2026 findet am Dienstag, 3. November, und Mittwoch, 4. November 2026 im Palais des Festivals in Cannes statt (1 Boulevard de la Croisette). Es ist die 31. Ausgabe der Messe; Veranstalter ist RX France (RX, Reed Exhibitions).

Was ist die MAPIC?

Die MAPIC ist die internationale Fachmesse für Handelsimmobilien und Retail-Vermietung. Sie findet seit 1995 in Cannes statt und bringt Eigentümer, Projektentwickler, Investoren, Berater, Städte sowie Handels-, Gastronomie- und Freizeitmarken zusammen. Seit 2025 positioniert sie sich mit zweitägigem Format als „International Retail Leasing Hub“.

Für wen lohnt sich die MAPIC 2026?

Für Eigentümer und Asset Manager mit konkret zu vermietenden Flächen, für Retailer mit Expansionsplänen in Europa und für Berater, die beide Seiten zusammenbringen. Der Veranstalter erwartet 1.800 Markenvertreter; 60 Prozent der befragten Retailer planen innerhalb von zwei Jahren mehr als zehn neue Stores.

Welche Themen stehen auf der MAPIC 2026 im Fokus?

Drei Schwerpunkte: Cross-Border-Marken aus Asien, Nord- und Südamerika, eine neue High-Street-Zone mit Pitching-Sessions europäischer Städte und ein geschlossener Summit für Retail Parks. Dazu kommen die MAPIC Awards, das Innovation Forum und der Freizeitbereich LeisurUp.

Worin unterscheidet sich die MAPIC von der Expo Real?

Die Expo Real in München deckt alle Immobiliensegmente ab und zählte 2025 rund 42.000 Teilnehmer; dort geht es um Investment, Finanzierung und Projektentwicklung. Die MAPIC konzentriert sich auf Handelsimmobilien und Vermietung: Marken stellen mehr als ein Drittel der Teilnehmer, und die Gespräche drehen sich um konkrete Flächen und Expansionspläne.

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