96 neue Luxus-Stores in Europa – aber nur 3 in Deutschland. Schwäche oder strategische Chance? Wir analysieren, was der Markt für Eigentümer, Investoren und Marken bedeutet.
Der europäische Luxus-Einzelhandel befindet sich in einer bemerkenswerten Phase: Während die Gesamtverkäufe im Luxussegment laut dem European Luxury Retail Report 2026 von Cushman & Wakefield nur um 0,5 % gewachsen sind, steigt die Zahl der Neueröffnungen. 96 neue Luxus-Stores öffneten 2025 auf Europas 20 wichtigsten Einkaufsstraßen in 16 Städten und 12 Ländern – ein deutliches Plus gegenüber 85 im Vorjahr. Marken investieren mehr denn je in physische Präsenz, größere Flagship-Stores und erlebnisorientierte Retail-Konzepte.
Doch ein Blick auf Deutschland offenbart eine Diskrepanz: Nur drei Luxus-Store-Eröffnungen in München und Düsseldorf – nach acht im Vorjahr. Ist das ein Zeichen von Schwäche? Im Gegenteil. Die Marktdaten zeigen: Der deutsche Luxusmarkt mit einem Umsatzvolumen von 15,2 Milliarden Euro ist kein Nachzügler, sondern ein Markt im Umbruch – mit konkreten Chancen für Eigentümer, Investoren und internationale Marken.
Europa: Luxusmarken setzen auf physische Präsenz
Trotz eines herausfordernden Konsumumfelds investieren Luxusmarken massiv in ihre stationäre Einzelhandelspräsenz. Laut Cushman & Wakefield stiegen die Luxus-Gesamtverkäufe in Europa 2025 zwar nur um 0,5 %, doch die Zahl der Store-Eröffnungen legte von 85 (2024) auf 96 (2025) zu. Der Grund: In einem Markt, in dem der anspruchsvolle Konsument zunehmend selektiver einkauft, wird der physische Store zum strategischen Differenzierungsinstrument. Flagship-Stores sind nicht mehr nur Verkaufsflächen – sie sind Markenwelten, die Cafés, Restaurants, VIP-Lounges und kulturelle Erlebnisräume integrieren.
Die drei großen Luxuskonzerne LVMH, Richemont und Kering verantworteten laut Report rund 30 % aller Neueröffnungen (29 Stores). LVMH führte mit 17 neuen Stores, gefolgt von Kering mit 7. Aber auch jenseits der großen Drei zeigt sich eine bemerkenswerte Breite: 57 verschiedene Marken eröffneten 2025 insgesamt 66 Stores – von Bottega Veneta über Brunello Cucinelli bis hin zu aufstrebenden Marken wie dem schwedischen Label Toteme und dem französischen Accessoire-Haus Polène.
Besonders dynamisch: Fashion & Accessories mit 48 Neueröffnungen sowie Jewellery & Watches mit 28 neuen Stores. Das Segment Hard Luxury – also Schmuck und Uhren – zeigt sich als besonders resilient: Während Bekleidung und Accessoires Umsatzrückgänge verzeichneten, wuchs das Uhren- und Schmucksegment um 0,5 % und eröffnete in drei Jahren 77 Stores auf den 20 wichtigsten Luxusstraßen Europas.
Das größte Problem: Es gibt kaum noch freie Flächen
Die Verfügbarkeit von Premium-Einzelhandelsflächen auf Europas Luxusstraßen ist laut Cushman & Wakefield auf einem historischen Tiefstand. Von den 20 analysierten Straßen haben 8 eine Leerstandsquote von 0 % – darunter die Via Montenapoleone in Mailand (seit drei Jahren bei 0 %), die Via Condotti in Rom, der Passeig de Gràcia in Barcelona, die Pařížská in Prag und die Biblioteksgatan in Stockholm. Weitere 6 Straßen liegen unter 5 %. Keine einzige der 20 Luxusstraßen hat seit 2023 eine Leerstandsquote über 10 % verzeichnet.
Diese Angebotsknappheit hat direkte Auswirkungen auf die Mietpreise: Die Spitzenmieten auf Europas Luxusstraßen stiegen 2025 um durchschnittlich 3,5 % gegenüber dem Vorjahr (Quelle: Cushman & Wakefield Research) und liegen nun 7 % über dem Niveau von Ende 2018. Seit dem Tiefpunkt im März 2021 sind die Luxusmieten um 12,1 % gestiegen. Zum Vergleich: Nicht-Luxus-Highstreets liegen nach wie vor 7 % unter dem 2018er-Niveau – bei einer Erholung von nur 9,2 % seit ihrem Tiefpunkt im März 2022. Luxury Retail hat sich als eigene, von der allgemeinen Retail-Dynamik entkoppelte Asset-Klasse etabliert.
„Seit März 2021 stiegen die Mieten auf Europas Luxusstraßen um 12,1 % – gegenüber nur 9,2 % auf Nicht-Luxus-Highstreets. Die Hälfte aller Luxusstraßen erreichte 2025 neue Rekordmieten, darunter Paris, Mailand, Rom, Prag, Genf, Madrid, Lissabon und London.“ — Cushman & Wakefield, European Luxury Retail Report 2026
Deutschland: Ein Luxusmarkt mit 15,2 Milliarden Euro – und ungenutztem Potenzial
Mit 15,2 Milliarden Euro Luxus-Einzelhandelsumsatz (Quelle: GlobalData, 2026) und einem Wachstum von 1,5 % gegenüber dem Vorjahr ist Deutschland der drittgrößte Luxusmarkt Europas – hinter Italien (26,4 Mrd. €, -0,6 %) und Frankreich (25,6 Mrd. €, +0,7 %). Damit wächst der deutsche Luxusmarkt schneller als die beiden größeren Märkte. Die internationalen Touristenzahlen gingen 2025 laut Tourism Economics leicht zurück (-1,9 % auf 33,5 Millionen Ankünfte), doch die fundamentale Attraktivität der deutschen Luxusstandorte bleibt intakt.
Die beiden Schlüsselstraßen – Maximilianstraße in München und Königsallee in Düsseldorf – verzeichneten 2025 zusammen nur drei Store-Eröffnungen, nach acht im Vorjahr. Doch diese Zahl ist keine Schwäche, sondern spiegelt die extreme Angebotsknappheit wider: Die Maximilianstraße hat eine Leerstandsquote von nur 1,8 %, die Königsallee stieg minimal auf 3,1 % – was gerade einmal zwei freien Einheiten entspricht.
München: Bulgari kehrt zurück – und große Entwicklungen stehen bevor
Die wichtigste Eröffnung 2025 auf der Maximilianstraße: Bulgari hat seine dreistöckige Boutique in der Maximilianstraße 17 nach umfangreicher Renovierung wiedereröffnet. Der Store verbindet das römische Erbe der Marke mit Münchner Eleganz und unterstreicht die Position der Maximilianstraße als eine der Top-Luxusadressen Deutschlands.
Strategisch bedeutsam: Commerz Real hat die Maximilianstraße 12–14 erworben und plant Modernisierungsarbeiten an den Einzelhandels- und Büroflächen. Diese Entwicklung wird mittelfristig neue Premium-Flächen schaffen – eine seltene Gelegenheit in einem Markt, der seit Jahren unter akutem Flächenmangel leidet.
Düsseldorf: Chanel setzt ein Statement
Auf der Königsallee setzte Chanel 2025 das deutlichste Signal: Die Luxusmarke verlegte ihre Boutique von der Königsallee 38–40 in eine neue Multi-Level-Boutique an der Königsallee 20. Mit 630 Quadratmetern hat Chanel seine Verkaufsfläche in Düsseldorf nahezu verdoppelt. Besonders bemerkenswert: Es ist der erste Chanel-Store in Deutschland, der eine eigene Haute-Joaillerie-Abteilung für die Feinjuwelen-Kollektion umfasst.
Parallel dazu hat Dior einen temporären Store an der Königsallee 19 eröffnet, während das Flaggschiff an der Königsallee 30–32 restauriert wird. Diese Strategie – temporäre Präsenz während der Sanierung des Hauptstandorts – zeigt, wie wichtig den Luxusmarken die lückenlose Sichtbarkeit auf der Königsallee ist.
Der große Europa-Benchmark: Alle 12 Luxusmärkte im Vergleich
Die folgende Übersicht zeigt alle im Cushman & Wakefield Report analysierten europäischen Märkte auf einen Blick. Deutschland ist farblich hervorgehoben – und die Vergleichswerte machen deutlich, wo die Chancen liegen.
| Land / Stadt | Luxus-Umsatz 2025 | Wachstum y-o-y | Store-Eröffnungen 2025 | Leerstand Ende 2025 | Touristen 2025 |
|---|---|---|---|---|---|
| Deutschland – München & Düsseldorf | 15,2 Mrd. € | +1,5 % | 3 | 1,8 – 3,1 % | 33,5 Mio. (-1,9 %) |
| Frankreich – Paris | 25,6 Mrd. € | +0,7 % | 22 | 0 – 3 % | 98,1 Mio. (+1,8 %) |
| Italien – Mailand & Rom | 26,4 Mrd. € | -0,6 % | 12 | 0 % | 62,3 Mio. (+5,9 %) |
| UK – London | — | — | 15 | 6 – 7 % | — |
| Spanien – Madrid & Barcelona | 7,2 Mrd. € | +2,4 % | 8 | 0 % | 92,2 Mio. (+3,5 %) |
| Schweiz – Zürich & Genf | 5,1 Mrd. € | +2,8 % | 7 | 1 – 7 % | 10,4 Mio. (+1,2 %) |
| Niederlande – Amsterdam | 4,2 Mrd. € | -1,9 % | 10 | 5,4 % | 20,7 Mio. (+4,2 %) |
| Tschechien – Prag | 0,8 Mrd. € | -2,4 % | 6 | 0 % | 14,3 Mio. (+6,7 %) |
| Portugal – Lissabon | 1,0 Mrd. € | -1,3 % | 5 | 0 % | 20,7 Mio. (+4,3 %) |
| Belgien – Brüssel | 1,6 Mrd. € | -1,0 % | 1 | 7,0 % | 9,8 Mio. (+5,0 %) |
| Schweden – Stockholm | 0,9 Mrd. € | -2,2 % | 3 | 0 % | 17,8 Mio. (+9,1 %) |
| Dänemark – Kopenhagen | 1,1 Mrd. € | -2,7 % | 4 | 9,3 % | 13,7 Mio. (+0,8 %) |
Quelle: Cushman & Wakefield / GlobalData / Tourism Economics, 2026. Deutschland farblich hervorgehoben.
Was die Tabelle zeigt: Deutschlands Sonderstellung
Ein Blick auf die Benchmark-Daten offenbart drei wesentliche Erkenntnisse. Erstens: Deutschland ist einer von nur vier Märkten mit positivem Umsatzwachstum – neben Frankreich (+0,7 %), Spanien (+2,4 %) und der Schweiz (+2,8 %). Märkte wie Italien, die Niederlande und Dänemark verzeichnen Rückgänge. Deutschland wächst mit +1,5 % sogar schneller als Frankreich.
Zweitens: Die geringe Zahl an Store-Eröffnungen in Deutschland (3) steht im Kontrast zu Paris (22) und Mailand/Rom (12). Das liegt nicht an mangelndem Interesse der Marken, sondern am extrem limitierten Flächenangebot. Die Leerstandsquoten von 1,8–3,1 % gehören zu den niedrigsten in Europa.
Drittens: Die Spitzenmieten in München und Düsseldorf liegen nach wie vor 8–14 % unter dem Niveau von 2018. Im Gegensatz dazu haben die meisten anderen Luxusstraßen ihre Vor-Pandemie-Mieten längst übertroffen – Lissabons Avenida da Liberdade liegt 30 % über dem 2020er-Niveau, London und Mailand melden Rekordmieten, und selbst Prags Pařížská hat erstmals das 2018er-Niveau überschritten. Das macht den deutschen Markt zu einem der letzten vergleichsweise attraktiven Einstiegspunkte für internationale Luxusmarken in Europa.
Markt für Markt: Was sich in Europas Luxusstraßen bewegt
Um Deutschlands Position richtig einzuordnen, lohnt ein Blick auf die wichtigsten Entwicklungen in jedem einzelnen Markt. Hier die Highlights:
Paris: Europas aktivster Luxusmarkt mit 22 Neueröffnungen
Paris hat seine Position als führende europäische Luxusdestination zurückerobert. Nach einem Olympia-bedingten Rückgang auf nur 7 Eröffnungen 2024 verzeichnete die Stadt 2025 ganze 22 neue Stores – verteilt auf die Rue Saint-Honoré, Avenue des Champs-Élysées, Avenue Montaigne und Rue du Faubourg Saint-Honoré. Besonders auffällig: Sechs der neun Eröffnungen auf der Rue Saint-Honoré waren Luxus-Parfümhäuser – darunter Acqua di Parma, Creed und Solférino. Paris entwickelt sich zum globalen Hotspot für Luxury Fragrance Retail. Die Mieten auf den Champs-Élysées stiegen um 10 % gegenüber dem Vorjahr.
Mailand & Rom: 0 % Leerstand, aber endlich wieder Bewegung
Mailands Via Montenapoleone hatte drei Jahre lang 0 % Leerstand – es war schlicht unmöglich, eine Fläche zu bekommen. 2025 öffnete sich der Markt erstmals wieder: 11 neue Stores, darunter Fendi, Louis Vuitton, Valentino, Saint Laurent, Celine und Tiffany (größter Europa-Flagship: 1.200 qm im historischen Palazzo Taverna). In Rom auf der Via Condotti bleiben die Möglichkeiten mit nur einer Eröffnung extrem begrenzt. Die Mieten auf der Via Condotti stiegen um 7 % y-o-y.
London: Bond Street wird teuerste Einkaufsstraße der Welt
London verzeichnete 15 Store-Eröffnungen auf Bond Street und Sloane Street. Die bemerkenswerteste Entwicklung: Bond Street hat die Via Montenapoleone als teuerste Einzelhandelsstraße der Welt abgelöst. Trotzdem stieg die Leerstandsquote leicht auf 6–7 %, was auf laufende Renovierungsprojekte zurückzuführen ist. Dolce & Gabbana eröffnete einen neuen Flagship auf der Sloane Street, und Rolex sein riesiges neues Flaggschiff auf der Bond Street.
Spanien: Barcelona und Madrid mit 0 % Leerstand
Madrid und Barcelona verzeichneten insgesamt 8 Eröffnungen, dominiert von Schmuck- und Uhrenmarken (75 % der Neueröffnungen). Beide Städte erreichten 2025 eine Leerstandsquote von 0 % – ein außergewöhnlicher Wert. Die Mieten stiegen um 4–6 % y-o-y. BOSS eröffnete in Barcelona einen Flagship mit über 1.000 qm und vertikalem Garten, Chaumet und Carrera y Carrera expandierten auf dem Passeig de Gràcia.
Amsterdam: 10 Eröffnungen auf der PC Hooftstraat
Die Amsterdamer PC Hooftstraat bleibt eine der dynamischsten Luxusstraßen Europas mit 10 Neueröffnungen – darunter Ganni, Alo Yoga und Goldbergh. Der Leerstand stieg leicht auf 5,4 % (6 Einheiten), die Mieten blieben stabil. Bemerkenswert: Ein Luxus-Oldtimer-Händler (Real Art on Wheels) eröffnete einen Pop-Up-Showroom – ein Zeichen dafür, wie sich der Luxury-Lifestyle-Begriff erweitert.
Prag: Aufstrebender Luxus-Hotspot Mitteleuropas
Prags Pařížská-Straße verzeichnete 6 Neueröffnungen – alle in den neuen Retail-Flächen des Fairmont Golden Prague Hotels. Damiani, Pasquale Bruni und Max Mara sind eingezogen. Der Leerstand liegt bei 0 %, die Mieten stiegen um 4 % und haben erstmals das 2018er-Niveau überschritten. Cartier und Patek Philippe bereiten Eröffnungen für 2026 vor.
Schweiz: Van Cleef & Arpels und Celine ziehen auf die Bahnhofstrasse
Zürich und Genf verzeichneten zusammen 7 Eröffnungen. Auf der Bahnhofstrasse zogen Van Cleef & Arpels, Longines und Celine in prominentere Positionen. In Genf eröffnete Pomellato seine erste Schweizer Boutique – den weltweit ersten LEED-Platinum-zertifizierten Luxury Store. Der Schweizer Markt wuchs mit +2,8 % besonders stark.
Lissabon, Stockholm, Kopenhagen & Brüssel: Nischenmärkte mit Signalwirkung
Lissabons Avenida da Liberdade (5 Eröffnungen, 0 % Leerstand, +4 % Mietwachstum) hat sich als aufstrebende Luxusdestination etabliert – die Mieten liegen 30 % über dem 2020er-Niveau. Stockholm verzeichnete 3 Eröffnungen bei 0 % Leerstand, darunter Diors erster eigenständiger Store in Schweden. Kopenhagen gewann Tiffany, Polène und Louis Vuitton für neue Flagships. Einzig Brüssel schwächelte mit nur einer Eröffnung und steigender Vakanz auf 7 % – belastet durch die seit über 600 Tagen andauernde Regierungsbildung in der Region.
Die Entwicklungs-Pipeline: Neue Flächen für die Königsallee
Was den deutschen Markt von vielen anderen europäischen Standorten unterscheidet: Es gibt eine substanzielle Development-Pipeline, die in den nächsten Jahren neue Premium-Flächen schaffen wird.
Auf der Königsallee sind gleich zwei Großprojekte im Bau. Le Coeur, das Mixed-Use-Entwicklungsprojekt von Hines in Partnerschaft mit einem deutschen Pensionsfonds an der Königsallee 35–37, umfasst rund 47.000 Quadratmeter Gesamtfläche. Erste Mieter wie Diptyque, Hestermann und Label Kitchen sind bereits gesichert. Parallel dazu setzt die Hamburger Momeni Gruppe das Trinkaus Karree an der Königsallee 21–23 um: 40.000 Quadratmeter Mixed-Use mit 2.000 qm Einzelhandels- und 700 qm Gastronomiefläche.
Diese Projekte sind für den Markt von doppelter Bedeutung: Sie schaffen erstens dringend benötigtes Flächenangebot in einem extrem engen Markt. Und sie definieren zweitens die Königsallee als Mixed-Use-Destination neu – ein Trend, der europaweit zu beobachten ist und der Gastronomie, Hospitality und Retail-Erlebnis in eine integrierte Umgebung bringt.
Ausblick 2026–2030: Moderates Wachstum, steigende Mieten
Der europäische Luxus-Einzelhandel wird laut Prognosen von GlobalData in den kommenden Jahren mit durchschnittlich 3 % pro Jahr wachsen (Zeitraum 2026–2030). Deutschland liegt mit einem erwarteten Wachstum leicht über dem europäischen Durchschnitt – getrieben durch die Erholung des internationalen Tourismus (laut Tourism Economics werden die Europa-Ankünfte bis 2030 das Vor-Pandemie-Niveau von 2019 um 40 % übersteigen) und die wachsende Kaufkraft inländischer Luxuskonsumenten. Besonders wachstumsstark innerhalb Europas: Spanien, Portugal und Tschechien.
Für die Mietpreise auf europäischen Luxusstraßen prognostiziert Cushman & Wakefield ein jährliches Wachstum von 0,5–4 % zwischen 2026 und 2029. Angesichts der Tatsache, dass München und Düsseldorf noch deutlich unter ihren historischen Mietpreis-Hochs liegen (8–14 % unter 2018), besteht hier überproportionales Aufholpotenzial – insbesondere wenn die neuen Entwicklungsprojekte internationale Marken anziehen und die Standortattraktivität weiter steigern.
Besonders relevante Segmente für die kommenden Jahre laut Cushman & Wakefield: Jewellery & Watches (anhaltend resilient, 77 Store-Eröffnungen in drei Jahren, Richemont und LVMH mit starker Pipeline für 2026) und Cosmetics & Fragrances (über dem Durchschnitt wachsend, mit zunehmender Nachfrage nach Standalone-Boutiquen – allein in Paris eröffneten 2025 sechs Luxus-Parfümhäuser auf der Rue Saint-Honoré).
Was bedeutet das für den deutschen Markt?
Der deutsche Luxus-Einzelhandelsmarkt befindet sich in einer einzigartigen Position: Die Nachfrage internationaler Luxusmarken nach Flächen ist hoch, das Angebot ist extrem knapp, und die Mietpreise haben noch nicht das Niveau anderer europäischer Luxusstandorte erreicht. Die Kombination aus neuer Flächenentwicklung auf der Königsallee und weiterhin minimalem Leerstand auf der Maximilianstraße schafft ein Zeitfenster für strategische Entscheidungen.
Für Eigentümer von Luxus-Einzelhandelsflächen heißt das: Die Verhandlungsposition ist so stark wie selten zuvor – internationale Marken suchen aktiv nach Flächen in Deutschland und sind bereit, in hochwertige Umbauten zu investieren. Für Marken, die den deutschen Markt erschließen wollen, ist jetzt der richtige Zeitpunkt: Die Mieten liegen noch unter dem europäischen Höchststand, und die Pipeline-Projekte werden erstmals seit Jahren neues Angebot schaffen.
Häufig gestellte Fragen
Wie groß ist der Luxus-Einzelhandelsmarkt in Deutschland?
Der deutsche Luxus-Einzelhandelsmarkt erzielte 2025 laut dem European Luxury Retail Report 2026 von Cushman & Wakefield einen Umsatz von 15,2 Milliarden Euro und wuchs damit um 1,5 % gegenüber dem Vorjahr. Deutschland ist damit der drittgrößte Luxus-Einzelhandelsmarkt in Europa – nach Italien (26,4 Mrd. €) und Frankreich (25,6 Mrd. €). Basierend auf Daten von GlobalData.
Welche Luxusmarken haben 2025 in Deutschland neue Stores eröffnet?
2025 eröffneten drei Luxus-Stores in Deutschland: Bulgari wiedereröffnete seine dreistöckige Boutique an der Maximilianstraße 17 in München nach umfassender Renovierung. Chanel eröffnete eine neue 630-qm-Boutique an der Königsallee 20 in Düsseldorf – den ersten Chanel-Store in Deutschland mit eigener Haute-Joaillerie-Abteilung. Dior eröffnete einen temporären Store an der Königsallee 19 während der Restaurierung seines Flaggschiffs. (Quelle: Cushman & Wakefield, 2026)
Lohnt es sich, in Luxus-Einzelhandelsflächen in Deutschland zu investieren?
Die Marktdaten sprechen für eine attraktive Investmentlage: Die Spitzenmieten in München und Düsseldorf liegen noch 8–14 % unter dem Niveau von 2018, während andere europäische Luxusstraßen bereits Rekordmieten verzeichnen. Gleichzeitig schaffen Großprojekte wie Le Coeur (Hines, 47.000 qm) und Trinkaus Karree (Momeni Gruppe, 40.000 qm) auf der Königsallee erstmals seit Jahren neues Premium-Angebot. Cushman & Wakefield prognostiziert für 2026–2029 ein jährliches Mietpreiswachstum von 0,5–4 % auf europäischen Luxusstraßen. Hinweis: Dieser Artikel dient der Marktinformation, nicht der Anlageberatung.
Welche europäische Luxusstraße ist die teuerste der Welt?
Laut dem European Luxury Retail Report 2026 von Cushman & Wakefield hat Londons New Bond Street im Jahr 2025 Mailands Via Montenapoleone als teuerste Einzelhandelsstraße der Welt abgelöst. Die Via Montenapoleone hatte diese Position zuvor mehrere Jahre lang gehalten.
Quellen: Cushman & Wakefield: „European Luxury Retail Report 2026″, EMEA Retail Research Team, 2026. GlobalData: Luxury Retail Sales Data Europe, 2025. Tourism Economics: International Tourist Arrivals & Spending Forecasts, 2025–2030. Analyse & redaktionelle Einordnung: Unique Retail, unique-retail.com. Dieser Artikel dient der Marktinformation und stellt keine Anlageberatung dar.